Was in den alten Heften stand

Die Familie Kontogiannis vor ihrem Pick-up im Hain bei Korinth: Theos Vater, Theo mit Hut, seine Mutter und seine Schwester Hope

Die Familie Kontogiannis in ihrem Hain bei Korinth.

Wir wollen euch die Familie Kontogiannis ein bisschen näher vorstellen. Fangen wir dort an, wo die Geschichte selbst anfängt: vor etwa hundertvierzig Jahren, an einem Hang über Korinth.

Dort pflanzte der Ururgroßvater von Theo Kontogiannis seinen ersten Weinberg. Es war das Ende des 19. Jahrhunderts. Seither hat jede Generation auf diesem Boden gearbeitet – heute ist es die fünfte. Theo führt den Hof gemeinsam mit seiner Schwester Hope, und ihre Eltern sind nach wie vor dabei.

Der Hof liegt am Fuß von Akrokorinth, der alten Festung über der Stadt. Er besteht nicht aus einem einzigen Stück Land, sondern aus vielen: Parzellen zwischen der Küste und sechshundertfünfzig Metern Höhe, mit jeweils eigenem Boden, eigenem Klima, eigenem Wind vom Golf von Korinth. Weinberge, Olivenhaine, Mandelbäume, Obstbäume, wilde Kräuter. Inmitten einer Gegend, in der sonst meist nur eine Sorte auf einmal wächst, sind diese Flecken kleine Inseln voller Vielfalt.

Eine Frage, und eine Antwort aus dem Archiv

Im Jahr 1999 stellte die Familie auf biologischen Anbau um. Sieben Jahre später stellte sie sich eine unbequemere Frage: Reicht das eigentlich? Auch der Biolandbau, fanden sie, dreht sich viel darum, was man dem Boden entnimmt – und wenig darum, was man ihm zurückgibt. Was ist unser Beitrag zu dem, was um uns herum lebt?

Auf der Suche nach einer Antwort gingen sie ins Familienarchiv. Und fanden die Aufzeichnungen ihrer Urgroßeltern.

Was darin stand, war der biologisch-dynamischen Landwirtschaft bereits verblüffend nah. Die alte Art zu wirtschaften – lange bevor jemand ihr einen Namen gab – hatte vieles von dem schon gewusst, was die Familie gerade neu zu lernen versuchte. Sie mussten nichts erfinden. Sie mussten zurücklesen.

Seit 2006 arbeitet der Hof konsequent biologisch-dynamisch.

Für uns bei Platanenblatt hat das einen besonderen Klang. Rudolf Steiner schrieb 1924 in seinem Landwirtschaftlichen Kurs, eigentlich müsse jede Landwirtschaft dem Zustand einer in sich geschlossenen Individualität zustreben. Dieser Satz steht heute auf der Website der Familie Kontogiannis – gefunden nicht über die Theorie, sondern über die Großeltern.

Was eine Familie über sich verrät

Man erkennt Menschen daran, worum sie sich kümmern, wenn es niemand verlangt.

Die Kontogiannis’ bewässern nicht. Sie bewirtschaften trocken, wie man es früher tat – was in einem Griechenland mit immer heißeren Sommern jedes Jahr schwieriger wird. Ihre Überzeugung: Eine Rebe, die ihre Wurzeln selbst in die Tiefe schicken muss, wird stärker als eine, der man das Wasser hinstellt.

Und sie nehmen sich Flächen an, die andere aufgegeben haben. Alte Weinberge und Haine in der Nachbarschaft, manche über hundert Jahre alt, verlassen, weil sie zu mühsam geworden waren. Die Familie bringt sie zurück. Nicht weil es sich rechnet – sondern weil hundert Jahre alte Stöcke etwas sind, das man nicht einfach sterben lässt.

Zwischen den Reben wächst Kamille. Sie hilft dem Boden und schützt die Reben vor Hitzestress. Dass jemand so etwas weiß und tut, sagt mehr über einen Hof als jede Urkunde.

Warum wir zueinander passen

Als wir anfingen, miteinander zu sprechen, ging es schnell nicht mehr nur um Öl.

Theo erzählte uns von einer Idee, die er seit einiger Zeit mit sich herumträgt – entstanden aus Gesprächen mit seinem Sohn: „Το σχολείο της Τροφής“, die Schule der Nahrung. Ein Ort, an dem Menschen erfahren, wo Essen wirklich herkommt, und was unser Alltag in den Städten mit dem Boden macht, auf dem es wächst.

Wir hatten ihm kurz zuvor von unserem Lernort Olivengarten erzählt. Keiner von uns wusste, dass der andere dasselbe denkt.

Für uns war das der Moment, in dem aus einer guten persönlichen Beziehung etwas Größeres wurde. Seitdem arbeiten wir an einer gemeinsamen Idee: anders zu wirtschaften. Den Gedanken der solidarischen Landwirtschaft über Ländergrenzen hinweg zu tragen, auf Gemeinschaft und direkte Beziehungen zu setzen, so natürlich zu produzieren, wie es geht. Das gelingt nur mit Menschen, die in dieselbe Richtung schauen – und die haben wir gefunden.

Mehr davon erzählen wir euch, sobald es Form annimmt. Für heute reicht uns das hier: dass ihr wisst, in wessen Händen die nächste Ernte liegt.

Herzliche Grüße
Urte und Ralf